Heute vor 111 Jahren – Arthur Hiller beim allerersten DFB-Länderspiel

Heute vor 111 Jahren – Arthur Hiller beim allerersten DFB-Länderspiel

Auf den Tag genau 111 Jahre sind es nun her, dass der DFB sein allererstes Länderspiel seines Bestehens bestritt. Dieses fand statt vor 3500 Zuschauern im Landhof-Stadion in Basel. Gegner war die Auswahl der Schweiz, für die es bereits das dritte Länderspiel war. Um mehr Zuschauern Platz bieten zu können finanzierte eine schweizer Schokoladenfabrik eine Extra-Tribüne.

Zum damaligen Zeitpunkt verfügte der DFB über keinen Trainer. Deshalb kam dem Spielführer eine ganz besondere Rolle zu. Dieser allererste Spielführer einer Deutschen Nationalmannschaft war Arthur Hiller, der für den 1. FC Pforzheim spielte.

Um an diesen Ausnahmespieler des FCP und die Aktion des Schokoladenfabrikanten zu erinnern, führte der Pforzheimer Fanclub „Pforze Légère“ im letzten Jahr eine besondere Aktion durch unter dem Motto „Back in the days“. Als Rahmen wurde das Pokalspiel um den Badischen Verbandspokal gegen den SV Waldhof Mannheim im Pforzheimer Holzhofstadion gewählt. Dies fand statt am 3. Oktober 2018, genau am 137. Geburtstag Arthur Hillers.

Folgender Text von Daniel Stolzenberg, dem Initiator der Aktion, beschreibt die Intention:

An einem nasskalten Aprilmorgen im Jahre 1908 machte sich ein junger Pforzheimer auf den weiten Weg in die Schweiz. Im Gepäck ein Paar leichte Lederschuhe, gewiss nicht für den allsonntäglichen Kirchgang geeignet – sowie ein Einladungsschreiben des Deutschen Fußballbundes. Vorbei an Pferdefuhrwerken und misstrauischen Marktfrauen, vorbei an eifrigen Zeitungsjungen und qualmenden Dampflokzügen, fand er schließlich seinen Weg zum Treffpunkt der Delegation des DFB in Karlsruhe. Wie er hatten auch weitere junge Männer aus Nah & Fern Einladungen erhalten, welchen sie gerne nachgingen – obwohl der Fußball zu dieser Zeit noch in seinen Kinderschuhen steckte und in großen Teilen der Gesellschaft verpönt war.

Allesamt machten sich folglich auf den weiteren Weg von Karlsruhe nach Basel, denn hier fand das erste offizielle Länderspiel einer Deutschen Nationalmannschaft, gegen die der Eidgenossen, statt.

Das aufkommende Zuschauerinteresse bereitete dem Ausrichter allerdings Kopfzerbrechen. Wer sollte den ganzen Spaß bezahlen? Ein Schokoladenfabrikant erklärte sich spontan dazu bereit, hier für aufzukommen, stellte allerdings sogleich eine Bedingung: Jede Dame, die das Spiel besucht, sollte eine Tafel Schokolade bekommen.

So kam es, dass die Schweizer Nationalmannschaft am 5. April 1908 den DFB zu seinem ersten Länderspiel empfangen konnte.

Unser Freund aus Pforzheim war für die Position des Mittelläufers vorgesehen und aufgrund seines aufopferungsvollen Spielstils sowie seiner Wesenszüge wurde ihm zudem die Ehre des Spielführers zuteil.

Sie ahnen es, liebe Fußballfreunde, wir reden hier von keinem Geringeren als Arthur Hiller aus Pforzheim – erster Kapitän einer Deutschen Nationalmannschaft. Am 3. Oktober 1881 – also genau 137 Jahre vor diesem Pokalspiel – wurde „Ille“ Arthur Hiller geboren.

Zur Freier des Tages bekam jeder Stadionbesucher eine kleine Tafel Schokolade geschenkt.

 

Dem offiziellen Bericht des DFB zu diesem Länderspiel ist zu entnehmen:

Am Sonntag früh um 9 Uhr war Kleidungsapell bei Herrn Behm, welcher die „Vermessungen“ usw. „ganz in weiß“ beaufsichtigte. Das erste Frühstück ließen sich alle vortrefflich munden. Gegen 10 Uhr stellten sich die Schweizer Herren ein, um uns zu froher Fahrt durch die Stadt abzuholen. Im Anschluß daran wurde uns der Zoologische Garten gezeigt und beim Gläschen Bier wurden auch noch die Chancen für den Wettkampf besprochen, jedoch war keine Einigung zu erzielen, denn jede Partei ‚wollte‘ verlieren. Die Spieler fuhren hierauf zum Imbiß ins Hotel. Um 2.45 Uhr ging es zum Platz, an endlosen Zuschauermassen vorbei. Wohl 5000 Menschen begrüßten die deutsche Mannschaft bei ihrem Erscheinen

 

Bleibt anzumerken, dass – in Ermangelung eines Trainers – die taktische Marschroute der Deutschen für das Spiel von Kapitän Arthur Hiller festgelegt wurde. Allerdings kannte er kaum einen seiner Mitspieler, die in Anlehnung an die Größe der Regionalverbände, vom DFB-Spielausschuss unter Hugo Egon Kubaseck nominiert wurden. Die Spieler reisten alle auf eigene Kosten nach Basel, erhielten jedoch Spesen in Höhe von 20 Mark.

Das Spiel gegen die Schweiz endete nach 1:0-Führung Deutschlands 2:1 für die Gastgeber.

 

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