Stadioneinweihung Brötzinger Tal – Pforzheim fordert Revanche

Stadioneinweihung Brötzinger Tal – Pforzheim fordert Revanche

1906 feierte der 1. FC Pforzheim den Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft. In der Gruppe Südkreis konnte sich das Team durchsetzen gegen den FC Stuttgarter Kickers, Freiburger FC, MTV 1879 München und den 1. FC 1900 Nürnberg.

Im Finale am 1. April 1906 behielt das Team schließlich auch im Finale in Mannheim gegen den 1. Hanauer FC 1893 mit5:3 die Oberhand. Für Pforzheim spielten Jäger, Stöhr, Mayer, Fink, Faas, Steudle (Capt.), Schweickert, Hiller I, Hofer, Hiller II und Rühl.

Der 1. FC Pforzheim traf am Sonntag, 27. Mai 1906, schließlich in Nürnberg auf den VfB Leipzig im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Da die Pforzheimer Spieler alle einem Beruf nachgingen und deshalb am Samstag noch einen normalen Arbeitstag zu absolvieren hatten, konnte die Anfahrt zum Stadion des 1. FC Nürnberg erst am Sonntag um 3 Uhr nachts beginnen. Als die Spieler dann um 10 Uhr in Franken eintrafen waren die Strapazen der Reise und des vorhergehenden Arbeitstags nicht spurlos an ihnen vorübergegangen.

Der Gegner aus Leipzig hingegen plante im Vorfeld besser. Bereits am Freitag begab sich die Mannschaft auf die Reise nach Nürnberg und war so für das Spiel am Sonntag bestens ausgeruht und vorbereitet.

So ging Leipzig bereits nach 15 Minuten durch Edgar Blüher mit 1:0 in Führung. Gustav Stöhr konnte zwar nur 11 Zeigerumdrehungen später ausgleichen, aber 5 Minuten vor dem Ende brachte Heinrich Riso seinen VfB zum Erfolg.

In der Vereins-Chronik des 1. FC Pforzheim ist über dieses Spiel zu lesen:

Aber noch stand der letzte Kampf um die „Viktoria“ des DFB, gegen den hervorragenden VfB Leipzig mit seinen kampferprobten bekannten Spielern bevor. Er fand an Pfingsten 1906 auf dem Platz des damals noch nicht so berühmten 1. FC Nürnberg statt. Und nun kam eine große Panne. Während der finanzkräftigere Leipziger Club seine Mannschaft schon am vorhergehenden Freitag nach Nürnberg verfrachtet hatte, damit sie ausgeruht in den Kampf gegen konnte, mussten die Pforzheimer erst noch ihren Samstag im Geschäft arbeiten und wollten Übernachtungskosten sparen. So erfolgte die Abfahrt erst in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3 Uhr früh und die Mannschaft kam erst gegen 10 Uhr morgens in Nürnberg an. Trotzdem so die Pforzheimer gewissermaßen aus dem tätigen Alltag in das entscheidende Spiel steigen mussten, lieferten sie den damals schon sehr spielstarken Leipziger Akademikern ein großartiges Spiel und verloren nur knapp mit 1:2, wobei Stöhr ein prächtiges Tor mit direktem Schuss erzielte. Man könnte vielleicht das Resultat als eine Folge eines Regiefehlers der Clubleitung bezeichnen, aber es war eben damals so, dass man als Amateurspieler, hinter denen kein finanzkräftiger Verein stand, die meisten Kosten selbst zu tragen hatte und deshalb versuchte, die Unkosten so nieder zu halten als es möglicherweise ging. Sei dem, wie ihm wolle, der Club hatte seinen Namen, wenn auch als Verlierer, in die Annalen der deutschen Fußballgeschichte eingetragen und bewiesen, dass er ein würdiger Vertreter des starken süddeutschen Fußballs war. Die Entscheidungsschlacht war verloren, der Ruhm aber blieb.

Im Rahmen der Umbauarbeiten im Stadion Brötzinger Tal dachte so mancher der Verantwortlichen und der Helfer zurück an die glorreiche Zeit des Pforzheimer Fußballs, verbunden mit der Hoffnung, hier an dieser historischen Stätte auch in Zukunft wieder großartige Erfolge und herausragende Spiele erleben zu können.

Gerade auf das Finale 1906, das so knapp gegen den VfB Leipzig verloren ging, richtete sich immer wieder die Aufmerksamkeit. Zu tief sitzt einfach dieser Stachel des aus Pforzheimer Sicht ungleichen Kampfs um die „Viktoria“.

Diese Gedanken kreuzten sich mit den Überlegungen, in welchem Rahmen und mit welchem besonderen Spiel man die in den letzten Jahren umgebaute Arena im Brötzinger Tal feierlich einweihen möge. Und so entwickelte CfR-Vorstandsvorsitzender Markus Geiser der Gedanke, für die „Schmach von Nürnberg“ offiziell Revanche zu fordern.

Mit dieser Idee wandten sich die Pforzheimer an den 1. FC Lokomotive Leipzig, den offiziellen Nachfolger des VfB. Dort traf die außergewöhnliche Idee auf offene Ohren. Lok-Geschäftsführer Martin Mieth war sofort angetan, nicht zuletzt durch die (scherzhafte) Drohung Geisers, das Ergebnis von 1906 beim DFB offiziell anzufechten. Nach einigen Telefonaten, Emails und einem Besuch in Leipzig war man sich schnell einig:

Am 18. Juli 2020, 114 Jahre nach dem historischen Finale, erfolgt nun in Pforzheim die Revanche.

Der 1. FC Lokomotive Leipzig wird dabei mit seiner aktuellen Regionalligamannschaft auflaufen und auf das Oberligateam des 1. CfR Pforzheim treffen. Selbstverständlich wird bis dahin eine Kopie der „Viktoria“, der damaligen Meisterschaftstrophäe, erstellt und dem Sieger überreicht.

Zur Vorbereitung und Durchführung dieses Vorhabens werden in den nächsten Tagen Arbeitsgruppen gebildet und ein erster Projektplan erstellt. Beide Vereine freuen sich auf dieses Event und hoffen auf breites Interesse der Fußballfans, sowohl in Pforzheim als auch in Leipzig.

Informationen über weitere Details folgen in den nächsten Wochen. Ein Kartenvorverkauf wird eingerichtet und frühzeitig bekanngegeben.

One Comment

  1. Avatar
    Mario Pörschmann
    Nov 15, 2019

    Hall liebe Sportfreunde aus Pfortzheim. Ich freue mich auf die „Revanche“ und wünsche euch bis dahin alles erdenklich Gute. Bis bald!
    Ein LOK Fan,

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